Deutschland schläft bei KI nicht mehr. Es ist wach — und ziemlich überrascht von der Rechnung.
„Deutschland verschläft die Digitalisierung" ist der zuverlässigste Satz jeder Wirtschaftsdebatte. Bei KI stimmt er nicht mehr.
41 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten setzen KI aktiv ein. Vor zwölf Monaten waren es 17 Prozent. Weitere 48 Prozent planen oder diskutieren den Einsatz. Nur 11 Prozent lehnen ab.[1]
Das ist mehr als eine Verdoppelung in einem Jahr. Für deutsche Verhältnisse ist das eine Explosion.
Interessanter als das Ob ist das Wo. Eingesetzt wird KI ganz überwiegend im Kundenkontakt (88 Prozent) sowie in Marketing und Kommunikation (57 Prozent).
Mit deutlichem Abstand folgen Forschung und Entwicklung (21 Prozent), Produktionsabläufe (20 Prozent), Controlling und Rechnungswesen (17 Prozent), Personalabteilung (14 Prozent) und internes Wissensmanagement (11 Prozent).
Man kann das so lesen: KI ist dort angekommen, wo Text produziert wird. In der Fertigung, im Controlling, im Kern des operativen Geschäfts ist sie noch weitgehend Gast.
Jetzt der Teil, der selten auf der Konferenzfolie steht. 33 Prozent der Unternehmen berichten, dass KI zu deutlich höheren Kosten geführt hat als erwartet.
Und: 19 Prozent geben an, wegen KI Stellen abgebaut zu haben. Rund jedes vierte rechnet damit, dass es dazu kommen wird.
Man lese die beiden Sätze bitte hintereinander. Ein Drittel findet die Technik teurer als gedacht. Fast jedes fünfte Unternehmen hat daraufhin Personal reduziert. Die Einsparung wurde also teilweise dort geholt, wo die Technik sie eigentlich erzeugen sollte.
Das ist die unromantischste Version der Effizienzgeschichte — und vermutlich die ehrlichste.
Wobei man fairerweise die andere Seite mitzählen muss. Bei 45 Prozent wurden interne Prozesse deutlich beschleunigt, bei 44 Prozent Produkte oder Dienstleistungen verbessert, 29 Prozent haben dank KI etwas Neues entwickelt.
77 Prozent der Anwender sehen ihre Wettbewerbsposition verbessert, 52 Prozent melden einen messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg, 66 Prozent wollen ausbauen.
Die Bilanz ist also nicht „teuer und nutzlos". Sie ist „teurer als versprochen und trotzdem lohnend". Das ist, nebenbei bemerkt, bei so ziemlich jeder Technologie der Fall gewesen — nur dass es diesmal jemand gemessen hat.