Lade...
Daten · IT-Arbeitsmarkt Deutschland

79.000 statt 149.000.
Und fast keiner wurde entlassen.

Zwei Zahlen, die sich zu widersprechen scheinen. Tun sie nicht. Sie sind derselbe Vorgang.

Jahrelang war der IT-Fachkräftemangel das verlässlichste Thema jeder Digitalkonferenz. Zu wenig Leute, zu viele offene Stellen, Deutschland verliert den Anschluss.

Diese Erzählung ist vorbei. In Deutschland sind derzeit 79.000 IT-Stellen unbesetzt. 2023 waren es 149.000. Ein Rückgang um 47 Prozent in drei Jahren.[1]

Naheliegende Erklärung: KI hat die Leute ersetzt. Naheliegend und falsch.

Die Entlassungswelle findet nicht statt

Dieselbe Erhebung fragt Unternehmen, ob sie wegen KI IT-Stellen abgebaut haben. Das Ergebnis:

85 Prozent haben keine einzige IT-Stelle gestrichen. 10 Prozent vereinzelt. Und — das ist die bemerkenswerteste Angabe — kein einziges befragtes Unternehmen meldete vermehrten Stellenabbau.

Also: minus 47 Prozent offene Stellen, aber praktisch keine Entlassungen. Wie geht das zusammen?

Gar nicht erst ausschreiben

Es geht zusammen, weil beides dasselbe ist, von zwei Seiten betrachtet.

Ein Unternehmen, das seine Entwicklungsarbeit mit KI-Werkzeugen beschleunigt, entlässt niemanden. Es schreibt die nächste Stelle einfach nicht aus. Das Team bleibt, wo es ist. Der Abbau passiert an einer Stelle, an der nie jemand saß.

Für die Bestandsbelegschaft ist das die freundlichste denkbare Variante. Für alle, die reinwollen, ist es die härteste: Man kann sich nicht auf eine Stelle bewerben, die es nicht gibt.

Das ist keine Spitzfindigkeit. Es ist der Grund, warum die Krise so lange unsichtbar bleibt. Entlassungen erzeugen Schlagzeilen. Nicht-Ausschreibungen erzeugen Stille.

Was die Unternehmen selbst erwarten

Für die Zukunft wird es weniger gemütlich: 32 Prozent rechnen damit, dass KI bei ihnen IT-Stellen kosten wird. 11 Prozent halten das für sicher, weitere 21 Prozent für wahrscheinlich.

Gleichzeitig verschiebt sich die Nachfrage. Gesucht werden KI-Entwicklerinnen — bei rund 92.000 Euro Jahresgehalt — sowie Software-Architekten mit Erfahrung in verteilten Systemen, Cloud-Plattformen und modernen Stacks. Rückläufig ist die Nachfrage nach klassischen Softwareentwicklern, IT-Administratoren und Testmanagern.

Die Lehre daraus

Der Satz „KI vernichtet IT-Jobs" ist empirisch schwach. Der Satz „der IT-Arbeitsmarkt ist entspannt" ist es auch.

Was tatsächlich passiert: Der Markt zieht sich zusammen und sortiert sich gleichzeitig um. Wer drin ist und mitzieht, merkt wenig. Wer rein will, merkt alles.

79.000
unbesetzte IT-Stellen — 2023 waren es 149.000
85 %
der Unternehmen haben wegen KI keine IT-Stelle abgebaut
32 %
erwarten künftig Stellenabbau durch KI

Quellen & Fußnoten

  1. Bitkom e. V. — Presseinformation „IT-Fachkräftemangel in den letzten drei Jahren halbiert", 3. September 2026: 79.000 unbesetzte IT-Stellen gegenüber 149.000 im Jahr 2023; 85 Prozent der Unternehmen ohne KI-bedingten IT-Stellenabbau, 10 Prozent vereinzelt; 32 Prozent erwarten künftigen Abbau. Basis: zwei repräsentative Befragungen (853 bzw. 602 Unternehmen ab 3 Beschäftigten), KW 18–25/2026, Bitkom Research. bitkom.org
Zurück zur vollen Story