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Daten · World Economic Forum

92 Millionen weg,
170 Millionen neu.

Die meistzitierte Zahl der Debatte. Und die am häufigsten falsch zitierte.

Der Future of Jobs Report des World Economic Forum sagt: Bis 2030 verschwinden weltweit 92 Millionen Jobs, 170 Millionen entstehen neu. Macht netto plus 78 Millionen.[1]

Diese drei Zahlen stehen inzwischen auf jeder zweiten Konferenzfolie. Meist unter der Überschrift „Was KI mit unseren Jobs macht". Und genau da beginnt das Problem.

Der Report redet nicht nur über KI

Das WEF fragt Arbeitgeber nach allen Kräften, die ihre Belegschaft verändern. KI ist eine davon. Danach kommen: die grüne Transformation, die demografische Alterung, geoökonomische Verschiebungen, Lieferkettenumbau, wirtschaftliche Unsicherheit.

Wer die 92 Millionen als KI-Zahl verkauft, hat also mehrere Ursachen zu einer verschmolzen. Das ist ungefähr so präzise, wie die Zahl aller Verkehrstoten der Erfindung des Rades zuzuschreiben.

„Verdrängt" heißt nicht „gekündigt"

Die zweite Verwechslung ist subtiler. Die 92 Millionen sind Stellen, die es 2030 nicht mehr gibt — nicht 92 Millionen Menschen, die einen Kündigungsbrief bekommen.

Eine Stelle verschwindet auch, wenn jemand in Rente geht und nicht nachbesetzt wird. Oder wenn zwei Rollen zu einer verschmelzen. Oder wenn eine Abteilung einfach nicht mehr wächst. Der größte Teil betrieblicher Anpassung passiert lautlos, über Fluktuation. Das ist auch der Grund, warum es zuerst die Berufseinsteiger trifft.

Das Netto-Plus ist die tückischste Zahl

Plus 78 Millionen klingt beruhigend. Es ist aber eine Rechnung, die nur auf dem Papier aufgeht.

Die neuen Jobs entstehen in anderen Branchen als die alten verschwinden. In anderen Ländern. Mit anderen Anforderungen. Ein Sachbearbeiter in Gelsenkirchen hat von einer neuen Data-Center-Stelle in Irland ungefähr so viel wie von einem Lottogewinn seines Nachbarn.

Der Report selbst ist da ehrlich: Er beziffert, dass 39 Prozent der heute gefragten Fähigkeiten bis 2030 veralten. Das Netto-Plus setzt voraus, dass Millionen Menschen diese Lücke überbrücken. Wer das übernimmt und bezahlt, steht in keinem Report.

Wie man die Zahl richtig benutzt

Als Größenordnung für Umbau: gut. Als Beleg für „KI vernichtet Jobs": falsch. Als Beruhigungsmittel: gefährlich.

Die ehrliche Kurzfassung lautet: Es wird nicht weniger Arbeit geben. Es wird andere Arbeit geben, an anderen Orten, für teilweise andere Menschen. Und der Weg dorthin ist das eigentliche Thema.

92 Mio.
Stellen fallen bis 2030 weg — Treiber sind mehrere, nicht nur KI
170 Mio.
Stellen entstehen neu, meist anderswo
39 %
der heute gefragten Fähigkeiten veralten bis 2030

Quellen & Fußnoten

  1. World Economic Forum — Future of Jobs Report 2025: 92 Mio. verdrängte und 170 Mio. neue Rollen bis 2030, netto +78 Mio.; 39 Prozent der Kernfähigkeiten verändern sich bis 2030; Treiber sind Technologie, Demografie, grüne Transformation und geoökonomische Faktoren gemeinsam. weforum.org
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