Drei seriöse Quellen, drei verschiedene Zahlen, dieselbe Realität. Ein kleiner Kurs in Zählweise.
Wie viele Menschen haben 2026 in der Tech-Branche ihren Job verloren? Kommt drauf an, wen man fragt.
139.156 bis Ende Juni, sagt der eine Tracker — plus 83 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Rund 120.000, sagt der zweite. 176.306 bei 548 Einzelereignissen, sagt der dritte.[1]
Die Spanne zwischen der kleinsten und der größten Zahl beträgt 56.000 Menschen. Das ist eine Kleinstadt Unterschied.
Die Tracker messen schlicht Verschiedenes. Drei Stellschrauben reichen, um jede beliebige Zahl zu erzeugen:
Was ist „Tech"? Zählt der Software-Konzern? Sicher. Der Autohersteller, der IT-Leute entlässt? Der Online-Händler, der ein Lager schließt? Je nach Definition wandern Zehntausende rein oder raus.
Angekündigt oder vollzogen? Manche zählen die Pressemitteilung, manche den tatsächlichen Austritt. Zwischen beidem liegen Monate — und Ankündigungen werden regelmäßig nach unten korrigiert.
Weltweit oder national? Ein US-Konzern streicht 30.000 Stellen weltweit. Wie viele davon gehören in eine amerikanische Statistik? In eine deutsche?
Bei aller Uneinigkeit über die Höhe gibt es drei Befunde, die in jedem Tracker auftauchen.
Erstens: Der größte Einzelfall des Jahres liegt bei rund 30.000 Stellen in einem einzigen Unternehmen. Zweitens: Das Tempo hat gegenüber 2025 angezogen, obwohl dieselben Firmen starke Umsätze melden. Drittens — und das ist neu — seit dem Frühjahr 2026 ist KI erstmals der am häufigsten genannte Grund in Entlassungsankündigungen.
Diesen dritten Punkt sollte man mit Vorsicht genießen. „Wegen KI" ist in einer Pressemitteilung eine deutlich attraktivere Begründung als „wir haben uns verkalkuliert". Genannte Gründe sind Kommunikation, nicht Kausalität.
Wir haben uns entschieden, keine der drei als die Zahl zu setzen. Bei einer Streuung von 56.000 wäre jede Einzelangabe Scheingenauigkeit — sie sähe präzise aus und wäre es nicht.
Stattdessen die belastbare Fassung: Die Tech-Entlassungen liegen 2026 im sechsstelligen Bereich, deutlich über dem Vorjahr, und KI wird zunehmend als Grund genannt. Alles Weitere hängt davon ab, wie man zählt.
Wer eine Zahl zitiert, sollte dazusagen, von wem sie stammt. Das ist kein Formalismus, sondern der Unterschied zwischen Information und Behauptung.